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Starthilfe in die Selbständigkeit – Sachspende übergeben 04.02.2010


Leistungsstarke Schüler der Schule im Taubertal – Schule für Geistigbehinderte in Unterbalbach und von Förderschulen sollen bessere Chancen bekommen, einen regulären Ausbildungsplatz zu erhalten oder eine weiterführende Schule zu besuchen. Sie sollen fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt und ein Leben in Selbstständigkeit: Dies ist der Kerngedanke der Berufsvorbereitenden Einrichtung (BVE), die zum Schuljahresbeginn 2009/2010 in Bad Mergentheim eröffnet hat. Die Federführung für dieses in Baden-Württemberg bisher einmalige Pilotprojekt liegt bei der Schule im Taubertal. Landrat Reinhard Frank informierte sich jetzt vor Ort über die bisherigen Erfolge und übergab als Sachspende des Landkreises jeweils zwei Bänke und Stühle.

Die BVE ist in einer großen Wohnung in Bad Mergentheim untergebracht. Von den beiden Lehrerinnen Birgit Teubner-Steffen, zugleich Projektleiterin, und Katja Engert werden die zurzeit zehn Schülerinnen und Schüler in der BVE gezielt auf ein selbständiges Leben vorbereitet. Sie nehmen beispielsweise am Hauswirtschaftsunterricht in der Haus- und Landwirtschaftlichen Schule teil, kaufen selbst ein, kochen, waschen und putzen die Wohnung selbständig. Alle Schüler sollen den „Haushaltsführerschein“ erhalten. Daneben werden die Schüler auch in Mathematik unterrichtet und kommen jeden Tag selbständig, ohne Betreuer, von zu Hause mit Bus und Bahn in die Einrichtung – als tägliches Mobilitätstraining. Donnerstagvormittags arbeiten die Schüler zum Beispiel in den Bauhöfen der Städte Lauda-Königshofen und Bad Mergentheim, im Einzelhandel, im Seniorenwohnheim, bei einem Frisör, im Kindergarten oder bei der Post, um Berufspraxis zu erlangen. „Wir sind dankbar, dass wir zahlreiche Betriebe und Institutionen für dieses Praktikum gewonnen haben und für jeden Schüler über einen Praktikumsplatz verfügen“, sagte Birgit Teubner-Steffen.

Im Rahmen eines Blockpraktikums hat eine Hälfte der Gruppe inzwischen sogar eine Woche lang komplett in „ihrer“ Wohnung gelebt und übernachtet; aktuell absolvieren die Schülerinnen und Schüler einen Erste-Hilfe-Kurs. „Wir betreiben hier eine ‚Berufsschule mit etwas anderem Charakter’ und entdecken bei vielen Teilnehmern unheimlich viel Potenzial“, zeigte sich Projektleiterin Birgit Teubner-Steffen hocherfreut. „Die BVE entwickelt sich genau so, wie wir es erhofft hatten“. Als ideal habe sich die Lage inmitten von Wohnbebauung und nahe gelegenen Infrastruktureinrichtungen erwiesen.

Die aktuelle Gruppe soll zwei Jahre lang die BVE besuchen, bereits zum nächsten Schuljahr sollen weitere Teilnehmer hinzukommen. „Mit der BVE geben wir diesen jungen Menschen eine gute Basis für ein Leben in Selbstständigkeit und entlasten mittelfristig auch unser Budget für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung“, sagte Landrat Reinhard Frank. Der zuständige Dezernent im Landratsamt, Jochen Müssig, fügte hinzu, dass der Kreistag dem Vorhaben deshalb einstimmig grünes Licht gegeben habe. „Wir hoffen, dass der Main-Tauber-Kreis als Schulträger und die Schule im Taubertal, die das Konzept entwickelt hat, mit diesem Erfolgsmodell zum Vorbild für andere Kommunen und Kreise werden“, schloss Landrat Reinhard Frank.

BVEFröhliche Runde in der Berufsvorbereitenden Einrichtung in Bad Mergentheim: Landrat Reinhard Frank übergab mit Dezernent Jochen Müssig Bänke und Stühle für die Wohnungsausstattung. Es freuten sich die Schülerinnen und Schüler der BVE, Projektleiterin Birgit Teubner-Steffen, Lehrerin Katja Engert, Regine Stolzenberger-Hilbert (Leiterin Schule im Taubertal), Wolfram Stolz (stellvertretender Leiter Haus- und Landwirtschaftliche Schule) sowie Praktikant Aron Balint.